"Herzvogel"

Am Fenster sitzend erwartete ich den Abend, starrte in mein Glas und pfiff merkwürdig aufgeregt eine Melodie vor mich hin, die ich glaubte, von irgendwo her zu kennen.

Als nun ein Windhauch die Gardinen in Bewegung brachte und im Spiegelsaal meines Geistes ein Eiszapfen von der Decke brach, da bemerkte ich den Ruf eines Vogels.

Wie ich so in den Gesang des Vogels hineinhorchte, mich von ihm forttreiben lies wie ein Stück Holz von einem munteren Gebirgsbächlein, da erkannte ich, wie bekannt, wie nah, wie vertraut mir die Rhythmik der jener Gesang gehorchte, war.

Ich griff zum Glas, trank, dachte nach, das Geräusch zerberstender Eiszapfen in meinem Kopf.

Und ich erkannte: Der Rhythmus war gleich dem Schlag meines Herzens. Und als ich sah, da erhoben sich meine Gedanken dem Vogel folgend in den Himmel hinauf, schnellten mit rasender Geschwindigkeit zur Sonne wo sie zerstoben und verglühendem Sand gleich ins All hinaus geschleudert wurden.


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